Wenn man mit 16 Punkten Gott schon sehr nahe ist...

Vollbefriedigend war gestern: Heute steht „Sehr gut“ auf der Tagesordnung!?


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 07.09.2018

 

Das Jurastudium ist umwoben von Vorurteilen, Klischees, Halb- aber auch echten Wahrheiten und gilt noch immer als elitär. Das kommt alles auch nicht von ungefähr, denn dies liegt vor allem an einer Sache: Der Notengebung. Während es an den Universitäten den deutlichen Trend gibt, mit Bestnoten sehr inflationär umzugehen und selbst eine Zwei vor dem Komma schon ein echtes Problem darstellen kann, gibt es bei Juristen immer noch die gleichen kümmerlichen Noten wie schon vor unzählbaren Jahren, als selbst Goethe noch Jura studierte. Eine Skala von 0-18 Punkte und dennoch besteht man mit vier Punkten und ist ab neun Punkten ein Held.

Ein Held? Nicht ganz!

Um es vorwegzunehmen: Natürlich sind auch Juristen mit neun Punkten bereits Helden. Eigentlich sind alle Juristen ab bestandenem 1. Staatsexamen Helden. Doch es gibt eben auch diejenigen, welche die Bezeichnung „Held“ sogar noch ein bisschen steigern, und um die soll es in diesem Artikel gehen.

 

Wenn “sehr gut” eigentlich absolut herausragend unmenschlich gut“ heißen sollte

Die Note „Sehr gut“, also eine Note mit einer Eins vor dem Komma, gibt es bei Juristen für eine Punktzahl zwischen 14 und 18 Punkten. Die 18 Punkte sind dabei utopisch, das weiß jeder Jurist. Wer seine Note in einer Klausur oder beim Examen nicht verraten will, der sagt also gut und gerne einfach „18 Punkte“ zu seinen Freunden und jeder weiß, dass er es nicht sagen möchte. Denn völlig unabhängig davon, wie gut derjenige ist, dass er nicht 18 Punkte hat, liegt für jeden, der mit dem Thema vertraut ist, auf der Hand.

Doch es gibt sie, die absoluten Überflieger. Sie dringen in den Kreis der „sehr guten“ ein, der eigentlich wie in der Überschrift betitelt heißen sollte. Doch wie viele Punkte haben diese Besten der Besten eigentlich?

Die Liste dieser herausragenden Studenten ist recht kurz, bedenkt man, dass in der Regel nicht einmal ein Prozent der Kandidaten diese Note erreicht. Nicht selten handelt es sich pro Prüfungsbezirk nur um wenige, manchmal sogar nur um eine einzige Person. So beispielsweise bei Johanna Göhler, die ihrerseits ganz alleine die 0,15 % darstellte, die im Bezirk Hamm ein „Sehr gut“ erwerben konnten.

 

Noten bleiben oft unbekannt

Die Noten sind für Juristen etwas Heiliges. Zum Einen weil sie nicht selten in hohem Maße auf eben jene reduziert werden und zum Anderen auch, weil sie gleichzeitig eine Art Berechtigung darstellen, in hohe Ämter und Jobs zu kommen. Niemand möchte sich fragen lassen, wie er denn bloß diesen oder jenen Job trotz solch mittelmäßiger Noten bekommen habe oder aber warum man nur einen Job mit vergleichsweise niedrigem Prestige oder Einkommen trotz Topnoten gewählt hat.

Darüber hinaus gibt es noch den Mythos der unterschiedlichen Benotung in Abhängigkeit von Universität und Bundesland, weshalb sich immer wieder eben jene sogar aus offiziellen Umfragen oder Studien heraushalten. Versucht man also herauszufinden, wer beispielsweise der beste Student des eigenen Bundeslandes ist, so ist man auf die Offenheit dieser Person angewiesen.

Für eine solche Offenheit hat sich beispielsweise Stefan Thönissen entschieden. Der damals 21-Jährige Freiburger Student hat mit insgesamt 15,66 Punkten das Beste jemals in Baden-Württemberg geschriebene 1. Staatsexamen abgelegt. Noch besser machte es 2010 der Passauer Student Philipp Scheibenpflug, der das zumindest bis dahin beste Examen Bayerns, mit ganzen 16,35 Punkten geschrieben hatte.

Die beste bayrische Absolventin, Sonja Pelikan, stand dem in kaum etwas nach und erreichte 16,08 Punkte.

 

Was haben diese Studenten gemeinsam?

Von den Besten soll man lernen, also stellt sich die Frage: Wie machen die das eigentlich? Auffällig ist dabei, dass die Besten der Besten zu einem Großteil tatsächlich in der Regelstudienzeit ihr Examen geschrieben haben, was nicht gerade üblich ist. Rund ein Jahr haben sie sich im Schnitt Zeit genommen, um sich auf das Examen selbst vorzubereiten.

Die Vorbereitung selbst ist natürlich bei jedem individuell angepasst und unterschiedlich, doch all die genannten Absolventen haben auf eine hoch disziplinierte und intensive Vorbereitungszeit gesetzt. Bis zu 10 Stunden effektives Lernen täglich und vor allem schwören sie alle auf Klausuren, Klausuren und nochmal Klausuren. Sonja Pelikan beispielsweise hatte nach eigenen Angaben in dem Jahr der Vorbereitung am Ende fast 100 Klausuren auf dem Kerbholz!

Ebenfalls hoch im Kurs steht bei den meisten Absolventen der Spitzenklasse die Lerngruppe. Es handelt sich also mit nichten um irgendwelche Eigenbrötler, die ihr Pensum einsam in der Ecke einer Bibliothek abrackern, sondern genauso um Teamplayer, die mit anderen Kommilitonen zusammen üben!

 

Wenn Jobs und Promotionsstellen wie von selbst geflogen kommen

Und die ganze Mühe zahlt sich aus. Bei all diesen Kandidaten stehen die Bewerber Schlange. Nur dass in diesem Fall Großkanzleien und Konzerne die Bewerber sind und nicht andersherum. Wer sich einmal in die notentechnischen Sphären dieser Kandidaten gewagt hat, der hat es schwer, einen schlechten Job zu finden und kann sich auch die Promotionsstelle frei aussuchen. Lediglich für diejenigen könnte es schwer werden, welche die gleichen Stellen ergattern möchten, für die sich diese Überflieger interessieren, denn dann gilt die alte Weisheit wirklich. Hier zählen dann eben doch nur noch die Noten…


Die richtige Klausurenvorbereitung, Teamplaying und Ausdauer können sogar das "vollbefriedigend" weit hinter sich lassen und einen mit 16 Punkten sehr nahe an Gott katapultieren. Wie ihr euch am besten auf eure Staatsexamnia vorbereitet und wie ein solcher Erfolg gelingen kann, findet ihr in folgenden Artikeln: 


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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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