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Boutique Kanzlei vs. Mittelständische Kanzlei

Karrierewege & Fachbereiche

Boutique Kanzlei vs. Mittelständische Kanzlei

Ein Vergleich - ähnlich oder doch ganz anders?

 

Wer sich auf die Suche nach dem zukünftigen Arbeitgeber macht und sich für die Tätigkeit als Anwalt entschieden hat, der steht früher oder später vor der Entscheidung, in was für einer Art von Kanzlei er tätig sein möchte. Entscheidet man sich gegen die Großkanzlei, besteht die Qual der Wahl zwischen sogenannten Boutique Kanzleien und mittelständischen Kanzleien.

Doch wo liegen da eigentlich die Unterschiede?


Breiteres Angebot vs Spezialisten

Boutique Kanzleien sind keine Allrounder, die ein juristisches all-inclusive Angebot anbieten. Anders als in Großkanzleien und in vielen mittelständischen Sozietäten wird in der Boutique Kanzlei nur ein kleines Rechtsgebiet, manchmal sogar nur eine Nische eines bestimmten Rechtsgebiets, abgedeckt, dafür kann jedoch mit besonderer Fachexpertise geglänzt werden.

Der Beratungsschwerpunkt von Rotthege Wassermann liegt beispielsweise auf allen Fragestellungen rund um Immobilientransaktionen, während Hartmann Rechtsanwälte seinen Fokus ganz auf den Bereich des Gesundheitsmarkts richtet. Grünecker Patent- und Rechtsanwälte setzt seinen ausschließlichen Tätigkeitsschwerpunkt auf das geistige Eigentum und Spezialisten in der haftungsrechtlichen Beratung insbesondere für die Automobilzulierferbranche und die Medizinprodukteindustrie sind reuschlaw Legal Consultants. Wie vielseitig und unterschiedlich die Arbeitsbereiche der Boutique Kanzleien außerdem sein können, zeigen weitere Beispiele wie BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte, die vornehmlich im Versicherungs- und Haftungsrecht tätig sind, Ariathes Rechtsanwälte, die sich auf den deutsch-französichen Rechtsverkehr spezialisiert haben und anchor Rechtsanwälte, die ausschließlich insolvenzrechtliche Beratung anbieten.

Bei den Mittelständischen verhält es sich anders. Diese sind in der Regel deutlich breiter aufgestellt und befinden sich, was die Breite ihres Angebots an Mandanten angeht, näher an den Großkanzleien als an den Boutiquen.

 

Die Mandantschaft

Die Boutique Kanzlei zeichnet sich durch ihre besondere Expertise in kleinen Nischen aus. Dementsprechend werden ihre Dienste von nahezu allen denkbaren Mandanten auf diesem Gebiet auch gesucht.

Die Mandanten einer Boutique reichen daher von Kleinunternehmern über Mittelständische bis hin zu Großkonzernen und die Anzahl der Mandanten ist somit oft nicht unbedingt geringer. Im Gegenteil - die Boutique Kanzleien stehen daher nicht selten sogar mit den Großkanzleien in Konkurrenz, da diese das entsprechende Fachgebiet in der Regel ebenfalls ihren Mandanten anbieten.

Die Mandate von Boutique Kanzleien sind daher durchaus auch international, wobei viele Boutiquen, um ihren Nachteil gegenüber den international agierenden Konkurrenten gegenzusteuern, einem Netzwerk von Kanzleien verschiedener Länder angehören.

Anders sieht es wieder bei den Mitttelständischen aus. Hier sind Großkonzerne als Mandanten eher die Seltenheit, internationale Mandate sowieso. Die Mandantschaft besteht in der Regel ebenfalls größtenteils aus mittelständische Unternehmen, zumeist aus Deutschland oder anderen inländischen Institutionen bzw. auch Privatpersonen.

 

Backoffice? Zweimal nein!

Die typische Arbeit in beiden Kanzleitypen ist wiederum gar nicht so verschieden. Beide binden in der Regel ihre Mitarbeiter bereits früh in die direkte Bearbeitung von Mandaten ein und auch der direkte Mandantenkontakt gehört für Juristen von Anfang an dazu.

Hintergrundrecherchen ohne wirklichen Zugang zum Fall ist hier also nicht zu befürchten. In der alltäglichen Arbeit unterscheiden sich Boutique Kanzleien und Mittelständische natürlich dennoch.

Der Spezialist in einer Boutique ist häufig an mehreren Mandaten gleichzeitig immer in genau seinem Fachgebiet tätig und fungiert primär als juristischer Experte. Die Anwälte der mittelständischen Kanzleien sind häufiger als Allrounder unterwegs.

Die verschiedenen Mandate und ihre Belange bringen daher eine große Abwechslung in den Arbeitsalltag eines Anwalts.

 

 

Qualifikation, Arbeitsbelastung und Gehalt

Wer sich nun erhofft über die Boutiquen den Einstieg in das internationale Business ohne die hohen Einstellungskriterien der großen Sozietäten zu schaffen, der muss leider enttäuscht werden.

Der Anspruch einer Boutique an die juristische Mitarbeiterqualifikationen ist kaum niedriger als der einer Großen. Lediglich besteht eine etwas höhere Chance durch entsprechende Vorkenntnisse, besondere Fähigkeiten oder beispielsweise Erfahrungen aus Praktika oder Referendariat ein etwas schwächeres 1. oder 2. Staatsexamen auszugleichen.

Auch der Schwerpunktteil des Studiums, der hingegen von anderen Kanzleiarten kaum bis keine Beachtung erfährt, kann für eine Boutique von Interesse sein, wenn er in genau ihrem Expertisenbereich stattgefunden hat. Ansonsten gilt auch in einer Boutique Kanzlei häufig: Ohne Prädikat wird es schwierig.

Die Anforderungen von Mittelständischen können nicht per se als niedriger eingestuft werden, gestalten sich allerdings tatsächlich anders. Hier wird Persönlichkeit, Engagement und auch ein roter Faden im Lebenslauf mehr gewürdigt als in den Größeren.

Insbesondere Vorkenntnisse und Praktika können etwas schwächere Examensnoten ausgleichen. Ein guter Eindruck in der Referendariatsstation kann ebenfalls ein gutes Einstiegsszenario in eine mittelständische Kanzlei sein.

Bei der Arbeitsbelastung verbietet sich eine allgemeine Aussage eigentlich. Insbesondere die Boutiquen sind ebenfalls für hohe Arbeitsbelastung bekannt.

Auch beim Gehalt ist die Situation unterschiedlich. Mittelständische Kanzleien zahlen in der Regel weniger als die meisten Boutique Kanzleien.

Bei den Boutiquen ist wohl die größte Bandbreite an Gehältern überhaupt vorhanden. Einige bezahlen auf dem Niveau kleinerer mittelständischer Kanzleien, einige etwas darüber und einige auf Großkanzleiniveau.

In ganz seltenen Fällen gibt es bei extrem erfolgreichen und hoch spezialisierten Boutiquen für herausragende Bewerber auf ihrem Gebiet sogar Gehälter über denen der Großkanzleien. Diese sind allerdings dann auch immer mit höchster Belastung oder Verantwortung der Anwälte verbunden.

Eine Pauschalaussage zum Gehalt ist also für beide Typen nicht möglich.

 

Pluspunkt Zukunftsperspektive

Was hingegen beiden gegenüber den Großkanzleien einen großen Beliebtheitsbonus verschafft, sind die internen Aufstiegschancen. Den Partnerstatus in einer Großkanzlei zu erlangen, gilt nicht zu Unrecht als Mammutaufgabe.

Insbesondere die Anforderungen an zukünftige Partner sind dabei auch vielen hoch motivierten Neueinsteigern einfach zu hoch, bzw. die Chancen wirklich Partner zu werden, sind ihnen für die zu bringenden Opfer zu gering.

Das sieht in einer Boutique und in einer mittelständischen Kanzlei tatsächlich ganz anders aus. Flachere Strukturen, oft durch Aussteiger aus Großkanzleien geprägt, laden zum schnellen Aufstieg bei entsprechenden Leistungen ein. Auch die Nähe zu Mandanten verhilft dem Anwalt bereits früh zu steigender interner Bedeutung.

Wer also den Partnerstatus anstrebt, der sollte sich Boutique oder mittelständische Kanzleien unbedingt genauer ansehen, denn hier gibt es realistische Chancen zu häufig angenehmeren Bedingungen.

Hier findest du eine aktuelle Übersicht 2017 aller Boutique Kanzleien

 

 


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23. März 2017


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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