Rechtsmarkt im Umbruch: Die Kanzleiboutique im Aufschwung

Das Erfolgsrezept: Klein und spezialisiert


veröffentlicht am 10.09.2014

 

In den 1990er-Jahren war eine Fusionswelle von deutschen und anglo-amerikanischen Kanzleien zu beobachten. Jetzt dreht sich der Trend um: Anwalts-Boutiquen sind im Aufschwung. Vorteile wie flache Hierarchien, eine bessere Work-Life Balance als in Großkanzleien und weniger formelle Einstiegskriterien machen diesen Trend für Juraabsolventen extrem interessant.

 

Gründungswelle von Boutique Kanzleien: Oft Aussteiger aus Großkanzleien

Der Übergang zwischen den einzelnen Kanzleikategorien ist fließend. In der Regel sind Boutique Kanzleien oder Kanzleiboutiquen, im Gegensatz zu Mittelstandskanzleien, auf ein bestimmtes Thema spezialisiert. Sie haben oft unter 50 Mitarbeiter und nur einen Standort, jedoch gibt es Ausnahmen zu dieser Regel.

Deutschland erlebt aktuell viele Neugründungen von Kanzleiboutiquen. Oft stammen die Gründer aus einer Großkanzlei, in der sie keine ausreichenden Aufstiegschancen mehr sehen. Seit einigen Jahren leiden nämlich auch Großkanzleien an konjunkturellen Schwankungen. Deshalb lässt der Aufstieg zum Miteigentümer der Kanzlei oft auf sich warten. Ein erfolgreiches Beispiel für die Gründung einer Kanzleiboutique ist die auf Arbeitsrecht spezialisierte Boutique Kliemt & Vollstädt, deren Gründer früher bei der Großkanzlei Clifford Chance gearbeitet haben.

 

Markt im Umbruch: Mandanten offen für Neues

Auch der Markt ist im Umbruch: Viele Mandanten setzen nicht mehr nur auf die umfangreichen Angebote der großen Kanzleien, sondern suchen gezielt nach ihren Bedürfnissen die Kanzlei und den Anwalt aus. Das stellt eine enorme Chance für die Kanzlei-Boutiquen dar. Ein Trend, der auch für Berufseinsteiger interessant ist, die sich bei ihren Bemühungen nicht mehr nur auf Großkanzleien konzentrieren sollten.

 

Informiere dich hier über interessante Kanzleiboutiquen:

 

Spezialisten statt Generalisten: Was brauche ich, um bei einer Boutiquekanzlei als Anwalt einsteigen zu können?

Während und nach der Wirtschaftskrise haben erstmals auch Großkanzleien die konjunkturellen Schwankungen zu spüren gekriegt. Daher ist der Einstieg bei einer Großkanzlei noch weiter erschwert worden. „Nur“ Prädikatsexamina vorweisen zu können ist teilweise nicht mehr ausreichend.

Speziell für solche Kandidaten, die nicht mit Prädikatsexamina punkten können, empfiehlt sich eine frühe Spezialisierung. Es ist empfehlenswert, im Referendariat und in der Doktorarbeit einschlägige Erfahrung zu sammeln.

Wenn man ein Spezialgebiet gefunden hat, welches einen begeistert, sollte man auch die Bewerbung bei einer passenden Kanzlei-Boutique in Betracht ziehen. Diese sind oft weniger auf die Noten fixiert, sondern suchen Kandidaten mit passenden Spezialisierungen. Die Nachfrage nach solchen Spezialisten steigt, wie etwa für das Kapitalanlagerecht. Experten sehen große Chancen auch im Arbeitsrecht, Strafrecht oder Erbrecht.

 

Aktuelle Jobangebote in spannenden Boutique Kanzleien!

 

Manuela Richert ist Associate bei der Kanzleiboutique anchor Rechtsanwälte, die bundesweit als Insolvenzverwalter, Sachwalter und insolvenzrechtliche Berater tätig sind. Auch sie betont die Bedeutung einer frühen Spezialisierung:

„Bereits im Studium interessierte ich mich für das Insolvenzrecht. (...) Den Ausschlag für die Entscheidung dann auch „richtig“ bei anchor Rechtsanwälte einzusteigen, gaben das tolle Team und die Möglichkeit, gleich richtig loszulegen, also insolvenzrechtliche Fragestellungen und kleinere Verfahren eigenverantwortlich bearbeiten zu dürfen.“

 

Mandanten suchen also vermehrt gezielt nach Anwälten mit Spezialisierung und greifen daher mehr auf Boutiquekanzleien zurück. Solche spezialisierten, kleineren Kanzleien sind im Aufschwung und halten interessante Möglichkeiten für Einsteiger und Berufserfahrene Rechtsanwälte bereit. Es empfiehlt sich eine frühe Spezialisierung, sollte man eine Karriere in einer solchen Kanzlei in Betracht ziehen.

 


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Autor: Verena Distler

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten aber für beiderlei Geschlecht.

 

Quellen:

http://www.karriere.de/karriere/spezial-einsatz-fuer-junge-juristen-8693/4/

http://www.kliemt.de/download/presse/karrierefuehrer-recht-2009.pdf

 

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