JavaScript ist nicht aktiviert!
Was hat James Bond mit der Arbeit in einer Kanzleiboutique zu tun?

Lifestyle & Fun Facts Jura

Was hat James Bond mit der Arbeit in einer Kanzleiboutique zu tun?

Die Vor- und Nachteile von Kanzleiboutiquen

Wie im Artikel „Aufschwung der Kanzleiboutiquen“ behandelt, erfreuen sich Kanzleiboutiquen aktuell immer stärkerer Beliebtheit. Flache Hierarchien und eine bessere Work-Life-Balance als in Großkanzleien machen die kleineren Kanzleien für Nachwuchsjuristen attraktiv.

Der Übergang zwischen Kanzleiboutiquen, mittelständischen Kanzleien und Großkanzleien ist oft fließend. Meist werden Kanzleiboutiquen jedoch über eine verstärkte Spezialisierung auf ein oder mehrere Rechtsgebiete definiert, die mit einer relativ geringen Anzahl von Mitarbeitern sowie vergleichsweise wenigen Standorten einhergeht.

 

Berufseinsteiger übernehmen Verantwortung: Die Arbeit in einer Kanzleiboutique

Für Berufseinsteiger ist die Arbeit in einer Kanzleiboutique oft eine bereichernde Erfahrung, da meist mehr Eigenverantwortung übernommen wird und die eigenständige Behandlung von Mandaten einem Berufseinsteiger sehr viel früher anvertraut wird als in einer Großkanzlei. Dort sind Berufsanfänger in der Regel einem Partner zugeteilt und leisten Vorarbeit für den Vorgesetzten. Auch die Vertretung nach außen findet in Kanzleiboutiqen durchaus auch durch Berufseinsteiger statt, während in einer Großkanzlei Berufsanfänger hauptsächlich im Hintergrund agieren.

Manuela Richert ist Associate bei der Kanzleiboutique anchor Rechtsanwälte, die bundesweit als Insolvenzverwalter, Sachwalter und insolvenzrechtliche Berater tätig sind. Für sie gab es mehrere Gründe, die für eine Kanzleiboutique sprachen. Die hohe Eigenverantwortung gleich zu Beginn und ihr frühes Interesse für Insolvenzrecht sollten ausschlaggebende Faktoren sein. Für Manuela Richert sah der Einstieg so aus: „Zu Beginn habe ich Verbraucherinsolvenzen bearbeitet und so die allgemeinen Abläufe eines Insolvenzverfahrens kennengelernt. Nach ein paar Monaten betreute ich erste kleinere Unternehmensinsolvenzen, lernte also das jeweilige Unternehmen kennen und führte in Abstimmung mit dem jeweiligen Insolvenzverwalter und der Geschäftsleitung den Betrieb fort.“ Auch die Vorbereitung des Insolvenzgutachtens und die Korrespondenz mit Kunden und Gläubigern des Insolvenzschuldners gehörte zu ihren Aufgaben.

Bald kam auch die berufliche Weiterentwicklung:

„Zwischenzeitlich sind die Unternehmen, die ich heute (mit-)betreue erheblich größer – also mehr Umsatz, mehr Arbeitnehmer, mehr Kunden, mehr Gläubiger. Dies erfordert und ermöglicht das Arbeiten in Teams und die Aufteilung von Verantwortlichkeiten. (...) Das Spannende ist aber, dass die Unternehmen, deren Betriebskultur und die Geschäftsfelder immer verschieden sind. (...) Es wird nie langweilig.“

Als Partner kommen selbstverständlich noch weitere Aufgabengebiete hinzu, wie Alexander Reus, Partner bei anchor Rechtsanwälte, erklärt. Unter seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem auch die Anbahnung an neue Mandate, der partnerschaftliche Austausch zwischen Anwälten und die Entwicklung der Anwälte. Wichtig ist auch die regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Kanzleiausrichtung.

 

Spezialisten gesucht: Was muss ich mitbringen, um bei einer Kanzleiboutique zu punkten?

Besonders für solche Kandidaten, die nicht mit Prädikatsexamina aufwarten können, empfiehlt sich eine frühe Spezialisierung. Es ist empfehlenswert, im Referendariat und in der Doktorarbeit einschlägige Erfahrung zu sammeln. Kanzleiboutiquen sind oft weniger auf die Noten fixiert, sondern suchen Kandidaten mit passenden Spezialgebieten. Diese sind mehr und mehr gefragt. Insbesondere Gebiete wie Kapitalanlagerecht, Arbeitsrecht, Strafrecht und Erbrecht sind gefragte Fachbereiche.

Die Arbeit in einer Kanzleiboutique bedeutet nicht automatisch eine Beschränkung auf nationale oder regionale Mandate, deshalb heißt es auch hier: Englischkenntnisse erwünscht.

Neben einem umfangreichen Fachwissen sollte man ein gutes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge mitbringen und den Willen, schnell Verantwortung zu übernehmen. Kreativität, Kommunikationstalent und Freude an der Arbeit im kleinen Team sind ebenfalls Grundvoraussetzungen. Alexander Reus, Partner bei anchor Rechtsanwälte, bestätigt: „Neben überdurchschnittlichen juristischen Kenntnissen erwarten wir ein gutes Zahlenverständnis, Gestaltungswillen und unternehmerisches Denken, das in unserem Tätigkeitsbereich unabdinglich ist. Fremdsprachenkenntnisse sind von großem Vorteil.“

 

Manuela Richert‘s Tipp für Nachwuchsjuristen:

„Nicht von anderen verrückt machen lassen. Das Auswendiglernen von hunderten Rechtsmeinungen und -theorien bringt wenig, solange der Gesamtüberblick fehlt und die Grundstrukturen nicht verstanden sind.“

 

Wie 007: James Bond lässt grüßen

Übrigens gibt es auch in Kanzleiboutiquen durchaus spannende Fälle, wie Manuela Richert berichtet: „Wir hatten in einem Verfahren die Befürchtung, dass jemand versuchen könnte, wichtige Daten zu entfernen. Wir engagierten dann kurzfristig einen Spezialisten, der extra anreiste und die Daten sicherte. Da wir niemanden mit unseren Vermutungen vor den Kopf stoßen wollten, fand die Aktion am Wochenende statt. Das Unternehmen war wie ausgestorben und irgendwie fühlten wir uns ein bisschen wie im Spionagefilm…“

 

Jetzt mal Klartext: Die Vor- und Nachteile einer Kanzleiboutique und welche Kanzlei zu dir passt

Schlussendlich ist es immer eine persönliche Entscheidung, welche Punkte einem bei der Wahl des Arbeitgebers wichtiger sind. Ist mir ein höheres Einstiegsgehalt wichtig genug, um die Arbeitszeiten einer Großkanzlei zu akzeptieren? Bevorzuge ich größere Mandate mit weniger Mandantenkontakt oder möchte ich lieber persönlichen Mandantenkontakt mit kleineren Mandaten? Stört mich eine steile Hierarchie und längere Entscheidungsprozesse? Gibt es ein spezielles Rechtsgebiet, auf das ich mich spezialisieren möchte?

 

Vorteile der Arbeit bei einer Kanzleiboutique Nachteile der Arbeit bei einer Kanzleiboutique
mehr Verantwortung geringeres Gehalt
weniger formelle Einstiegskriterien kleinere Mandate
höhere Spezialisierung

teilweise weniger Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten als in Großkanzleien

flache Hierarchien  
bessere Work-Life-Balance  
persönlicher Mandantenkontakt  
keine langwierigen Entscheidungsprozesse  

 

 

Für mehr spannende Interviews und Karriere-Tipps, Stellenangebote und Karriere-Events, registriere dich!

 

Das könnte dich auch noch interessieren:

Die Wahrheit über die Arbeit in einer Großkanzlei

Welcher Job passt eigentlich zu dir? Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt?

Die 5 besten Tipps für Frauen, die mehr Gehalt möchten

 

Quellen:

http://www.karriere.de/karriere/spezial-einsatz-fuer-junge-juristen-8693/4/

http://www.kliemt.de/download/presse/karrierefuehrer-recht-2009.pdf

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten aber für beiderlei Geschlecht.

 

 

24. November 2014

Ähnliche Themen


Latein Begriffe Jura im Überblick - Karrieremagazin TalentRocket

Jura-Latein für Angeber!

Die Top 30 lateinischen Begriffe und Wendungen im Recht

weiterlesen
Mandantenaquise leicht gemacht - Jura Knigge Teil 3

Mandanten-Knigge Jura - Teil 3

Leitfaden, wie die Akquise funktioniert...

weiterlesen
Abkürzungen und Eselsbrücken für die Examensvorbereitung - Öffentliches Wirtschaftsrecht
Gefahr Burnout - auch für Juristen?

Juristischer Erfolg zu jedem Preis?

Wann droht der Burnout und liegt dieser nur am Beruf?

weiterlesen
Zu welcher Spezies ordnest du dich als Jurist ein?

Welcher Typ Jurastudent bist du?

Bist du eher der Karrierist, der angehende Politiker oder doch der Moralist...?

weiterlesen
als Anwalt Arbeit und Leben in Einklang bringen? Möglich? - TalentRocket Karriere-Magazin

Work-Life-Balance in Kanzleien?

Realität oder unrealistische Wunschvorstellung?

weiterlesen