Verfasst von Finn Holzky. 

Wofür eigentlich einen Master of Laws?

Reichen zwei Jura Staatsexamina heute nicht mehr aus?

Das Thema LL.M. haben wir bereits vielseitig erörtert, entscheidende Fragen geklärt und Hilfestellungen bei der Suche nach dem perfekten Studiengang gegeben. Dennoch ist eine Frage mehr oder weniger ungeklärt: Was genau ist eigentlich der Nutzen eines LL.M. und macht es für jeden Sinn, einen Master of Laws Studiengang zu belegen und sich den akademischen Titel hinter dem Namen zu sichern?

 

Viel Wert für Großkanzleien

Wer eine Karriere in einer Großkanzlei anstrebt, der sollte einen LL.M. unbedingt in Erwägung ziehen. Der LL.M. wird dort häufig als absolut gleichwertige Alternative zum Doktortitel gesehen, obwohl eine Promotion noch einmal viel mehr Zeit und auch eine tiefere Einarbeitung in ein Thema für sich beansprucht.

 

Einige angloamerikanischen Großkanzleien wertschätzen den LL.M. sogar mehr, erbringt er schließlich den Nachweis, dass sich der Absolvent im Ausland und mit ausländischem Recht beschäftigt und auch durchgesetzt hat.

 

Ein weiterer Grund für die Beliebtheit des Titels in Großkanzleien ist dessen Prestige auf Visitenkarten und der Kanzleihomepage. Die hohen Stundensätze sind vor dem Hintergrund vieler verschiedener wissenschaftlicher Abschlüsse deutlich einfacher zu rechtfertigen.

Zwischen 10.000 und 20.000 Euro mehr Jahresgehalt bieten die größten Sozietäten ihren Berufseinsteigern mit LL.M.. Doch nicht nur auf finanzieller Ebene bringt der LL.M. seine Vorzüge mit sich. Denn ein Master of Laws Abschluss kann genauso ein etwas schwächeres Examen ausgleichen und somit den Zuschlag für einen bestimmten Job mit sich bringen. Die unter Personalern, wenn auch inoffiziell, genutzte zwei-aus-vier Regel ist da ein gutes Beispiel. Aus je zwei potentiellen Prädikatsexamen und den zwei gängigen Zusatztiteln, Doktortitel oder LL.M., muss jeweils eins gegeben sein. Das bedeutet: ein Prädikat ergänzt durch einen Zusatztitel reicht in der Regel aus, um in den großen Wirtschaftskanzleien einzusteigen.

 


Du weißt nicht, welche Law Schools für einen Master of Laws in Frage kommen?

 

Außergewöhnliche Master of Laws

 

Und hier geht`s noch zum Kostenüberblick für einen Master of Laws


 

Titel auch in Unternehmen und der freien Wirtschaft durchaus gefragt

Neben den Großkanzleien buhlen immer mehr Großkonzerne und Unternehmen um die besten Juristen und zahlen mittlerweile auch annähernd so gute Gehälter. Diese Großunternehmen sind in der Regel alle international aufgestellt und haben daher ebenso Bedarf an spezialisierten Fachkräften mit Auslandserfahrung. So ist zum Beispiel ein LL.M. in europäischem Wirtschaftsrecht für bestimmte Positionen bei internationalen Konzernen gefragter, als nur ein sehr gut ausgebildeter Volljurist, der jedoch nur das deutsche Recht kennt.

Die Gehaltsunterschiede in Unternehmen sind häufig jedoch nicht derart eklatant, wie die in den zuvor beschriebenen Großkanzleien. Allerdings sind die Jobs dafür immer häufiger nur für solche Bewerber ausgeschrieben, die bereits Auslandserfahrungen nachweisen können. Ein LL.M. ist hier natürlich viel gewichtiger, als ein Auslandssemester im Grundstudium. Indirekt kann also auch hier der LL.M. finanziell lukrativ werden, da bestimmte Jobs ohne ihn kaum zu erlangen sind.

 

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Karriere-Booster für auch für Selbstständige

Der Eintritt in die Selbstständigkeit kann sich als durchaus schwierig erweisen. Die Akquise neuer Mandanten stellt sich gerade zu Beginn als äußerst kompliziert dar und die Konkurrenz hat in der Regel einen Vertrauensvorsprung. Es gilt daher aus der Masse herauszustechen. Gerade in kleineren und mittelständischen Kanzleien ist der LL.M. noch recht selten vertreten und auch Doktortitel sind alles andere als die Regel. Zusatztitel repräsentieren eine besondere Qualifikation des Inhabers und stehen für zu erwartende Qualität des Anwalts. Man könnte sagen, der LL.M. kann als eine Art von Gütesiegel verwendet werden.

So ist der Titel auch bei Mandanten beliebt, da er häufig ein Plus in Sachen Vertrauen in den Anwalt mit sich bringt. Ist die eigene Kanzlei etabliert, greifen natürlich ebenfalls die zuvor erläuterten Mechanismen, sodass höhere Abrechnungen durch den Zusatztitel legitimiert werden.

In großen Kanzleien, der freien Wirtschaft und für Selbstständige ist der LL.M. also eine nützlich Ergänzung zu dem Duo aus erstem und zweitem Staatsexamen. Die Kosten eines Master of Laws, die mitunter sehr hoch werden können, amortisieren sich in diesen Fällen in aller Regel schnell. Abgesehen davon, dass der LL.M. und die Zeit im Ausland äußerst bereichernd sein können, lohnt sich der LL.M. langfristig also auf jeden Fall auch finanziell.

 

Geldsorgen? Hier gibt's Infos zum Low Budget LL.M.

 

Doch für wen lohnt sich ein LL.M. weniger?

In der Tat gibt es auch Karriereplanungen, für die ein LL.M. deutlich weniger fördernd ist, als in den zuvor genannten Fällen.

 

Der Weg in den Staatsdienst ist zum Beispiel in aller Regel ziemlich unabhängig von einem LL.M. möglich oder unmöglich.

 

Ein gesteigertes Einstiegsgehalt ist ebenfalls nicht vorgesehen und kann aufgrund der verwaltungsrechtlichen Bindung des Gehalts an bestimmte Besoldungsstufen auch nicht gesondert ausgehandelt werden.

Betrachtet man die Profile von Verwaltungsbeamten, Richtern oder Staatsanwälten, so findet sich der ansonsten sehr populäre LL.M. hier immer seltener. Das ist wenig überraschend, schließlich bringt er im Bewerbungsverfahren keinen echten Vorteil. Die Noten entscheiden hier und kaum etwas anderes. Hinzu kommt, dass der große Bewerbungsdruck im öffentlichen Sektor nicht besteht. Vielmehr hat der Staat Probleme, entsprechendes Personal zu finden. Ein LL.M., um die Chancen auf eine Einstellung beim Staat zu erhöhen, ist daher weder nötig, noch zielführend. Ausnahmen bestätigen jedoch auch hier - wie so oft - die Regel. Durch die zunehmende Harmonisierung von Gerichten auf europäischer Ebene, könnte langfristig auch an nationalen Gerichten der Wert von internationalen Rechtskenntnissen steigen. Jedenfalls sollte immer dann, wenn eine Bewerbung an ein europäisches Gericht ansteht, der Nachweis von Fähigkeiten über das deutsche Recht hinaus von Vorteil sein.

Auch bei Bewerbungen in kleinen Kanzleien, die überwiegend Mandate betreuen, bei denen rein deutsches Recht wie etwa das Erbrecht, Familienrecht oder Strafrecht entscheidend ist, steht der LL.M. weniger hoch im Kurs. Im traditionellen Juristenwesen und im Verhältnis zu Privatleuten als Mandanten ist der Doktortitel nach wie vor das Maß aller Dinge. Fremdsprachenkenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit ausländischem Recht können natürlich nicht schaden, stellen aber auch keinen derart großen Mehrwert für solche kleinen Kanzleien dar, dass ein LL.M. entscheidend höher honoriert wird.

 


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