Welche Großkanzlei zahlt am meisten Gehalt?

Wie eine Rallye in Übersee die Gehälter der Kanzleien in die Höhe schießen lässt


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 29.08.2016

 

In den USA hatte alles begonnen. Zahlreiche Kanzleien erhöhten signifikant ihre Einstiegsgehälter für Associates. Selbst eine seit Jahren unangetastete magische Marke wurde gebrochen. Diese lag bei 160.000 Dollar und ist bereits jetzt nur noch Geschichte. Die New Yorker Großkanzlei Cravath Swaine & Moore hat eben diese nahezu pulverisiert: 180.000 Dollar überweist man dort seinen Junganwälten nun jährlich.  Das sind ungefährt 160.000 Euro jährlich bzw. 13.300 Euro monatlich.

 

Wer jetzt denkt die Elite – Absolventen rennen von heute an Cravath Swaine & Moore die Tür ein und wollen vom Rest der Lawfirms nichts mehr hören, der hat weit gefehlt. Es wären nicht die Vereinigten Staaten von Amerika, wenn jetzt kein Wettbewerb daraus gemacht werden würde. So kam es auch und Freshfields Bruckhaus Deringer Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, Debevoise & Plimpton, Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan, Weil Gotshal & Manges und Milbank Tweed Hadley & McCloy zogen nach. 180.000 Dollar jährlich scheint die neue magische Grenze geworden zu sein.

 

Was bedeutet das für Deutschland?

Zunächst einmal gar nichts. Die Großkanzleien zahlen in der Regel nicht automatisch überall gleich viel Gehalt. Nichtsdestotrotz bleibt man mit den in den USA „ausgestorbenen“ 160.000 Dollar jährlich in Deutschland absolute Spitze. Umgerechnet 142.000 Euro bedeuten noch immer die unangetastete Nummer Eins des Gehaltsspektrums in Deutschland.

 

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Doch die Konkurrenz rüstet ebenfalls auf. Hengeler Mueller hat in Deutschland den ersten Schritt gemacht und das Einstiegsgehalt auf 110.000 -120.000 Euro für Berufseinsteiger mit LL.M erhöht. Auch Cleary Gottlieb Steen & Hamilton LLP liegt bei 115.000 Euro im 1.Jahr plus Bonus.  

Weitere Kanzleien werden mit Sicherheit folgen. Freshfields Bruckhaus Deringer hat bereits in London begonnen die Gehälter zu erhöhen, dass die Gehälter auf dem Kontinent nicht angepasst werden erscheint höchst unwahrscheinlich. Zudem gab es auch in Deutschland für die Vielzahl der größeren Kanzleien bis vor kurzem eine magische Grenze. Sie lag um die 100.000 Euro jährlich.

Dennoch hängt man in Deutschland den Spitzengehältern von Übersee weiterhin hinterher. Fünf Kanzleien zahlen in Deutschland über 120.000 Euro jährlich, darunter Kirkland & Ellis.

 

Besonders einfallsreich war man jüngst bei Willkie Farr & Gallagher. Hier führte man einen Start-Up-Zuschuss ein. Wer sich nun fragt, wie man neben dem Einstieg in eine Großkanzlei noch ein Unternehmen aufziehen soll, der sei beruhigt. Der Zuschuss bezieht sich nicht auf eine Unternehmensgründung, sondern auf den Start ins Arbeitsleben und soll die Anfangskosten für die hauseigenen Junganwälte decken. 15.000 Euro gibt es für die erste Miete, Kaution und etwaige Kosten für eine neue Garderobe und ähnliches. Der einmalige Zuschuss gilt für Willkie dabei als verlorener Zuschuss und muss folglich nicht zurückgezahlt werden. Somit steigt das Einstiegsgehalt von 115.000 Euro auf 130.000 Euro an.

 

Dicht dahinter positionierte man sich bei Kirkland & Ellis. 125.000 Euro stehen unter dem Strich für Associates im ersten Jahr auf der Abrechnung. Selbiges gilt für Skadden Arps Slate Meagher & Flom und Milbank Tweed Hadley & McCloy.

 

Bonuszahlungen bleiben dafür in der Spitzengruppe bisher eher eine Seltenheit. Kirkland & Ellis stellt beispielsweise einen solche in Aussicht. Abhängig von persönlicher Leistung und dem Kanzleiergebnis bietet Kirkland einen Bonus zum Fixum.

 

Die Kanzleien Hengeler Mueller, Kirkland & Ellis und Cleary Gottlieb haben es hierzulande vorgemacht – der Rest wird nachziehen. Es ist Bewegung in das Gehaltsgefüge der Großkanzleien in Deutschland gekommen und weitere Gehaltsanpassungen scheinen mehr als wahrscheinlich. Auch wenn die Entwicklung aus den USA kommt befinden wir uns weiterhin deutlich unter den absoluten Spitzengehältern von Übersee.


==> Mehr Infos und genaue Zahlen! 

 

Quellen:
*http://www.azur-online.de/2016/07/18/associategehaelter-auch-skadden-arps-und-quinn-emanuel-legen-nach/
*http://www.azur-online.de/2016/06/13/us-gehaltsrallye-kirkland-erhoeht-auch-in-deutschland-einstiegsgehalt/
*http://www.azur-online.de/geld/

 

 

Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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