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Welches Einstiegsgehalt kann man wirklich fordern?

Praktikum & Berufseinstieg & Referendariat

Welches Einstiegsgehalt kann man wirklich fordern?

Was man als Jurist im Gehaltsgespräch verlangen kann und was realistisch ist...

 

Es ist nicht lange her, da berichteten wir von einer Gehaltsrallye, die von den Vereinigten Staaten über Großbritannien zu uns geschwappt ist und die Gehälter in Großkanzleien nach oben schießen lies. Die Folgen der Gehaltsrallye kann man nun deutlich sehen, die einst so exklusive Gruppe der Kanzleien, die Einsteigern bereits über 100.000 Euro brutto jährlich zukommen ließ, hat sich vervielfacht. Doch geht das immer so weiter? Und was passiert, wenn Berufseinsteiger einfach zu viel fordern?

 

Eine Azur-Bewerberumfrage aus 2016 lässt einen bezüglich der Einstiegsgehälter wirklich aufhorchen.

„Unter 75.000 Euro Brutto Einstiegsgehalt fange ich gar nicht erst an!“ 

Diesem Satz konnten 2016 über 20 Prozent der Befragten zustimmen.

Ein extremes Ergebnis und eine noch extremere Entwicklung:
Seit 2010 hat sich dieser Wert  bis 2017 hin fast verdoppelt. Für diese gut 20 Prozent wären damit ein Posten als Richter oder Staatsanwalt gar kein Grund mehr, um mit dem Arbeiten zu beginnen. Zu schlecht ist deren Gehalt.

Wer das doppelte Prädikat, einen LL.M oder eine Promotion mitbringt und bereit ist, den Großteil seiner Zeit in einer Kanzlei zu verbringen, der wird auch kaum Probleme damit haben, die 75.000 Euro jährlich deutlich zu übertreffen.

Wie bereits erwähnt zahlen die großen Sozietäten den besten Bewerbern mittlerweile deutlich über 100.000 Euro, die Kanzlei Hengeler Müller hat erst jüngst auf den Maximalbetrag 120.000 Euro aufgestockt. Ebenso zahlt Linklaters den Juristen 120.000 Euro im 1. Jahr. Die Spitzenkanzlei Milbank reagierte und legt nun bis zu 140.000 Euro im ersten Jahr für ihre Associates auf den Tisch. Wer hier also nur 75.000 Euro als Einstiegsgehalt fordert, der würde wohl nur mitleidige Blicke ernten.

 


Mehr zu den Zahlen:


 

Sind 75.000 Euro Einstiegsgehalt ein realistisches Ziel für Rund 20 Prozent der Jura-Absolventen?

Freilich konnten nicht alle Absolventen gefragt werden und doch sollte die relativ große Umfrage tendenziell ja repräsentativ sein.

Fakt ist, keine 20 Prozent der Absolventen verlassen die Universität und Referendariat mit zwei Prädikatsexamina im Staatsexamen.

Folglich müssen entweder Bewerber ohne Prädikat dennoch in Großkanzleien landen oder aber kleinere mittelständische Kanzleien, die kein Prädikat als Grundvoraussetzung haben, für ihre Neueinsteiger mindestens 75.000 Euro auf den Tisch legen. Zumindest letzteres wird in der großen Breite noch nicht stattfinden.

Einstiegsgehälter jenseits der 75.000 Euro bei kleineren law-firms gibt es noch in Ausnahmefällen. Doch weichen Großkanzleien wirklich von dem Doppelprädikat als Mindestvoraussetzung ab?

 

Die „zwei – aus – vier – Regel“

Hört man sich unter Personalern und Repetitoren um, so wird diese Frage hinter vorgehaltener Hand mit Einschränkungen bejaht. Zugeben tun es die Großkanzleien nicht, schließlich müssen sie ihre hohen Stundensätze rechtfertigen. Doch der Markt gibt einfach nicht genug Prädikats-Bewerbern her, die auch noch in die Großkanzleien gehen möchten.

Daher hat sich, auch wenn die Jobausschreibungen sich nicht geändert haben, die sogenannte „zwei – aus – vier – Regel“ etabliert. Diese besagt, dass aus vier Kriterien, nämlich dem 1. und dem 2. Staatsexamen mit Prädikat, einem LL.M und einem Doktortitel stets zwei von vier Voraussetzungen bei Bewerbern gegeben sein müssen. Es muss jedoch nach wie vor zumindest ein Prädikat in der Regel nachweisbar sein.

Für die höchsten Gehaltsstufen reicht das jedoch nicht aus. Wer das Maximum bei seinem Arbeitgeber erhalten möchte und möglichst weit über die 100.000 Euro Einstiegsgehalt als Jurist kommen möchte, der kommt an der „vollen Kriegsbemalung“, mit zwei Prädikaten zuzüglich eines der beiden Titel, nicht vorbei. Die in oben erwähnten 75.000 Euro Einstiegsgehalt rücken somit dennoch für viele Bewerber in greifbare Nähe und die 20 Prozent werden realistischer.

 


 

Werden die Gehälter weiter steigen?

Diese Frage lässt sich leider ebenso wenig pauschal beantworten, wie die Frage nach der Höhe etwaiger Steigerungen. Fakt ist, dass seit der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 die Wirtschaft immer mehr in Schwung kommt und dementsprechend auch das Geschäft der Großkanzleien sehr gut läuft.

Viele Kanzleien expandieren, stellen mehr Juristen ein und dementsprechend hart umkämpft ist der Bewerbermarkt.

Unter der Annahme, dass die Wirtschaft mehr oder weniger stabil weiter wächst, ist daher prinzipiell davon auszugehen, dass sich die Entwicklungen im Gehaltsgefüge der Kanzleien fortsetzen.

 

Wenn da nicht die Generation Y wäre...

Die Generation Y genießt einen zweifelhaften Ruf unter Personalern der alten Schule.

Denn der Wunsch nach mehr Geld, ist in der Breite gar nicht so typisch für die aktuell auf den Arbeitsmarkt strömenden jungen Menschen.

Geld ist nach wie vor hoch im Kurs, doch Statussymbole und Karrierechancen alleine reichen nicht mehr, um die besten Bewerber für eine bestimmte Kanzlei zu gewinnen. Auch die steigenden Gehälter für Juristen sind daher keine Selbstläufer mehr für die Mitarbeiterakquise.

Work-Life-Balance ist das neue Zauberwort in den Bewerbungsgesprächen. Der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten, der Möglichkeit Sabbaticals zu nehmen oder im Home-Office arbeiten zu können ist in dieser jüngeren Generation deutlich stärker als je zuvor. Gepaart mit offensichtlich hohen Gehaltsvorstellungen stellt die Generation Y damit Personaler, Unternehmen und Kanzleien gleichermaßen vor große Herausforderungen.

Nichtsdestotrotz werden die Arbeitgeber-Rankings nach wie vor von den größten Kanzleien mit den größten Gehältern angeführt. Auch ohne eine Glaskugel zu haben, lässt sich also sagen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft eine Steigerung des Gehalts das Mittel der Wahl für viele Kanzleien sein wird, um die besten Bewerber zu bekommen.

 

Bewerber mit guten Qualifikationen sind also in einer guten Verhandlungsposition aber...

… man darf es dennoch nicht übertreiben. Die genannten Zahlen sind in der Regel die maximalen Einstiegsgehälter für absolute Spitzenkandidaten.

Nicht jeder Berufseinsteiger bei einer Großkanzlei bekommt automatisch 120.000 Euro und mehr.

Wer solche Summen im Bewerbungsgespräch oder bei der Gehaltsverhandlung fordert aber nicht entsprechende Qualifikationen vorweisen kann, der macht sich nicht nur unbeliebt, sondern riskiert auch noch, die Zusage für den entsprechenden Job zu verlieren. Für den Personalchef wirken solche Forderungen nämlich nicht nur überzogen, sondern auch unprofessionell und sie weisen eine schlechte Vorbereitung auf dieses Gespräch nach.

 

Bei den Gehaltsgesprächen bedarf es daher einer differenzierten Bewertung der eigenen Qualifikationen und einer richtigen Einordnung im Pool der Mitbewerber. Mit absoluten Spitzennoten können Bewerber dafür auch aktuell auch absolute Spitzengehälter erzielen. Alle die zwar auch sehr gute Noten haben, allerdings nicht in die absolute Spitzengruppe gehören, tun gut daran sich an den Spitzengehältern zu orientieren aber auch den unterschiedlichen Qualifikationen entsprechende Abstriche zu machen.


Tags: #Karriere  #Gehalt


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24. Juli 2017


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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