Reich werden als Jurist?

Wieviel verdienen Juristen wirklich und ist tatsächlich jeder zweite Taxifahrer studierter Jurist?


veröffentlicht am 28.03.2016


Für die Wahl des Studienganges Rechtswissenschaften gibt es viele Gründe. Von edlen Motiven wie dem Streben nach Gerechtigkeit oder dem Interesse an unserem Rechtsgefüge über familiäre Gründe bis hin zu „möglichst kein Mathe im Studium“. Ein weiterer Grund, den viele nicht gerne nennen, der aber doch häufig mitbestimmend war, ist die Erwartungshaltung bezüglich späterer Verdienstmöglichkeiten. Aber wieviel verdienen Juristen wirklich und ist tatsächlich jeder zweite Taxifahrer studierter Jurist? Talentrocket klärt auf!

Zunächst könnt ihr beruhigt sein, denn nicht jeder zweite Taxifahrer ist Jurist und noch viel weniger sind arbeitslos! Tatsächlich sind nur gut zwei Prozent allen fertig studierten Juristen arbeitslos. Was aber verdienen Juristen in Deutschland? Hier geht die Spanne tatsächlich weit auseinander. Einstiegsgehälter können von knapp 30.000 und sogar noch darunter bis deutlich über 100.000 Euro Brutto variieren.

Die entscheidende Frage ist also, wer verdient wo wie viel? Gehen wir von unten nach oben:

 

Klein aber fein – Rechtsanwälte in kleinen Kanzleien

Am wenigsten verdienen Berufseinsteiger ohne jegliche Berufserfahrung mit unterdurchschnittlichen Examina, die in kleinen Kanzleien mit unter 10 Mitarbeitern eine Arbeitsstelle annehmen. Hier sind Gehälter um die 30.000 Euro Brutto durchaus üblich, auch Ausreißer nach unten sind nicht ausgeschlossen. Doch auch hier muss der Jurist nicht arm sein bzw. bleiben. Kleinere Kanzleien haben häufig den Vorteil, dass man sich leichter hocharbeiten kann oder unter Umständen sogar einmal die Kanzlei übernehmen kann. Dies ist nicht immer möglich, dennoch lassen sich auch hier später gute Verdienstmöglichkeiten bei entsprechenden Leistungen und Fortbildungen erschließen. So verdienen beispielsweise Einsteiger in kleinen Kanzleien mit nur zwei Jahren Berufserfahrung schon durchschnittlich 35.000 Euro brutto.

 

Die goldene Mitte – Mittelstand, Staat und Unternehmen

Darauf folgen mehrere Berufsgruppen. Die Gehälter von Anwälten in mittelständischen Kanzleien variieren zwar ebenfalls sehr stark, durchschnittlich verdient aber ein Anwalt mit zwei Jahren Berufserfahrung in einer Kanzlei mit 20 bis 50 Mitarbeitern bereits ca. 40.000 bis 50.000 Euro brutto. Gleichzeitig verdienen Berufseinsteiger beim Staat in Landes- bzw. Bundesbehörden zwischen 37.500 und 45.000 Euro brutto. Ähnliche Gehälter beziehen auch Unternehmensjuristen mit wenig Berufserfahrung in der Banken- und Versicherungsbranche, der Automobilindustrie und bei Unternehmen der Pharma- bzw. Chemieindustrie. Leicht darunter bei ca. 30.000 – 40.000 Euro Brutto liegen Angestellte in den verschiedensten Verbänden.

 

Ein Geldregen – Großkonzerne und -kanzleien

An das ganz große Geld kommen Berufseinsteiger nur als Juristen in Großkonzernen wie beispielsweise Siemens, bei denen Gehälter von bis zu 90.000 Euro Brutto gezahlt werden oder in Großkanzleien bzw. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Hier werden Gehälter jenseits der 100.000 Euro Brutto gezahlt, mit der zusätzlichen Aussicht auf Bonuszahlungen am Jahresende.

 

Die lukrativen Alternativen – Selbstständigkeit und Karriere beim Staat

Die Möglichkeiten direkt reich zu werden sind also doch begrenzt, gut aushalten hingegen lässt es sich durchaus. Wer wirklich reich mit Jura werden möchte, dem bleiben nur wenige Optionen. Die Mitarbeit in einer Großkanzlei ist einer dieser Optionen. Insbesondere die Chance später Partner und damit Teilhaber an den Gewinnen der Kanzlei zu werden, lassen die Chancen auf tatsächlichen Reichtum besonders ansteigen. Hier sind Gehälter von über einer halben Million im Jahr durchaus realistisch. Eine weitere Möglichkeit bietet natürlich immer die Selbstständigkeit. Wer eine erfolgreiche kleine Kanzlei sein Eigen nennt, der verdient ebenfalls sehr gut und kann später noch einen stattlichen Preis für seine Kanzlei verlangen. Auch im Staatsdienst ist reich zwar nicht einfach aber doch möglich. So verdienen beispielsweise die Präsidenten der obersten Gerichte in Deutschland bereits ohne Sonderzahlungen 13.193,93 Euro brutto im Monat.

Im Grunde ist ein Nenner bei all diesen Wegen der gleiche: Harte und lange Arbeit - denn ohne diese wird man (auch und vor allem) als Jurist leider nicht reich werden! 

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