Nach diesem Prinzip werden Rechtsreferendare bezahlt

Gehalt pro Wochenarbeitstag - Was bedeutet das?


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 05.06.2019

 

Die Vergütungsstrukturen für Referendare sind vielen angehenden Volljuristen ein Rätsel und bleiben dies auch, bis dann tatsächlich das erste Mal Geld auf das eigene Konto fließt. Was bedeuten zum Beispiel Angaben wie „pro Arbeitstag“ und ist man als Referendar eigentlich wie ein Azubi, Beamter oder normaler Angestellter gestellt? Viele Fragen bei denen es sich lohnt, ihnen auf den Grund zu gehen, und heute ist es soweit: Wir erklären die Finanzen für Referendare!

 

Das Rechtsreferendariat: Nicht Fisch und nicht Fleisch

Bereits die Beantwortung der Frage, was das Rechtsreferendariat eigentlich genau ist, stellt den durchschnittlichen Rechtsreferendar vor Probleme. Der praktische Teil des Studiums? Eine Art Ausbildung? Ein erster Job?

Die formell korrekte Antwortet lautet, dass das Rechtsreferendariat ein zwei Jahre dauernder Vorbereitungsdienst nach dem 1. Staatsexamen ist, der mit dem 2. Staatsexamen abgeschlossen wird. Die Rechtsfolge bei dessen Bestehen ist die Befähigung zum Richteramt, die gleichzeitig die Befähigung für die Anwaltschaft, einen Dienst als Staatsanwalt oder Notar darstellt. Natürlich alles nur theoretisch, denn für die tatsächliche Möglichkeit Staatsanwalt, Richter oder Notar zu werden, müssen natürlich auch die Noten stimmen. Doch auch die Bezeichnung „Vorbereitungsdienst“ hilft noch nicht so wirklich. Früher war die Situation einfach, denn Rechtsreferendare waren per Gesetz Beamte auf Widerruf und das sogar mitsamt der Vorteile von lebenslangen Beamten, wie zum Beispiel einer günstigeren privaten Krankenversicherung und der Befreiung von bestimmten Sozialversicherungen.

 


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Doch dieser Status ist leider seit dem Jahr 2016, in dem Thüringen als letztes Bundesland sein Juristenausbildungsgesetz anpasste, Geschichte.

 

Rechtsreferendare stehen seitdem bundesweit in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis eigener Art.

 

Das wiederum bedeutet: keine Vorteile mehr aus dem Beamtenverhältnis, weniger Netto vom Brutto und keine Vergünstigungen bei der privaten Krankenversicherung. Es ist eigentlich unumstritten: Die Situation hat sich verschlechtert. Für das Finanzielle bedeutet dieser Status übrigens, dass es sich bei der Zahlung des Bundeslandes an den Rechtsreferendar nicht um ein Gehalt handelt, sondern um eine Sozialleistung zur Unterstützung des Lebensunterhalts. Wenn man sich nebenbei etwas dazuverdienen möchte, kann das von Bedeutung werden.

 

Was steht auf dem Kontoauszug?

Abgesehen davon, dass natürlich die persönliche Lebenssituation einen Einfluss auf die steuerrechtliche Bewertung eines Einkommens hat, ist die Höhe der monatlichen Zahlungen an Rechtsreferendare leicht herauszufinden. Da die Ausbildung von Juristen Ländersache ist, zahlen auch nicht alle Länder gleich, ansonsten ist die Berechnungsgrundlage aber überall dieselbe. Am wenigsten mit knapp 1.030 Euro monatlich erhalten aktuell Rechtsreferendare in Hamburg, am besten verdienen Referendare zum Beispiel in Brandenburg mit rund 1.350 Euro Brutto im Monat.

 

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Davon abzuziehen sind natürlich noch die Beiträge für die Krankenkassen und Sozialversicherungen, sowie die Steuer, wobei die in dieser Höhe nicht viel ausmacht. Zur Veranschaulichung dient ein Beispiel aus Niedersachsen, wo ein lediger Rechtsreferendar ohne Kinder aktuell 1.168 Euro Brutto erhält und nach Abzug der genannten Posten bei ziemlich genau 1.000 Euro Netto herauskommt.

 

Durch das Referendariat wird man offensichtlich nicht reich, vielmehr kann es mit der kärglichen Vergütung während des Referendariats vor allem in Großstädten wirklich eng werden mit den monatlichen Kosten.

 

Wenn dann noch längere Wege und somit Mehrkosten zur Ausbildungsstation hinzukommen, die nämlich ebenfalls nicht gezahlt werden, wird es allemal knapp. Unter anderem deswegen entscheiden sich auch viele Rechtsreferendare, neben dem Referendariat selbst noch etwas Geld hinzuzuverdienen. Warum aber auch das nicht immer ganz einfach ist und worauf dabei geachtet werden muss, erfahrt ihr im letzten Teil unseres kleinen Ratgebers.

 

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Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Nebenjob: Darauf muss man achten!

Für Rechtsreferendare gibt es in der Praxis einen tatsächlichen Bedarf. Kanzleien suchen regelmäßig juristisch geschultes Personal, das vergleichsweise günstig Recherchearbeiten oder sonstige anfallende Arbeiten in der Kanzlei übernimmt, für die eine Anwaltszulassung nicht nötig ist. Die Qualifikation hierfür wird durch das bestandene 1. Staatsexamen nachgewiesen und wie bereits aufgezeigt besteht Bedarf an einer zusätzlichen Einnahmequelle. Daraus entstand der Job des Wissenschaftlichen Mitarbeiters in Kanzleien. Suchende Rechtsreferendare und Kanzleien mit Bedarf sind hier also ein klassisches Match. Natürlich gibt es aber noch unzählige weitere Nebenjobs außerhalb von Kanzleien oder auch der Juristerei. Im Ergebnis gilt jedoch für alle Nebentätigkeiten während des Rechtsreferendariats dasselbe.

Denn Nebentätigkeiten müssen bei der Ausbildungsstelle angemeldet und auch von dieser genehmigt werden. Zweiteres klingt zunächst einmal problematisch, ist es aber nur in den aller seltensten Fällen. Der Grundsatz ist nur, dass die Nebentätigkeit nicht die Ausbildung relevant erschweren darf und das wird nur in den seltensten Fällen anzunehmen sein. Doch leider sind auch damit noch nicht alle Probleme gelöst, denn nun kommt natürlich die finanzielle Seite ins Spiel.

 


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Der Staat bzw. das Bundesland leisten schließlich eine Sozialleistung und eben kein Gehalt, wie bereits zu Beginn festgestellt wurde. Genau hier lauert nun ein weiteres Problem, denn Sozialleistungen können und werden, anders als zum Beispiel ein Gehalt, gekürzt, wenn andere Einkommensströme erschlossen werden. Glücklicherweise gilt das nicht ab dem ersten Euro der hinzuverdient wird, allerdings je nach Bundesland schon ab einer monatlichen Summe von 500 Euro. So zum Beispiel leider in Hamburg. Das bedeutet, wer dort Referendar ist, erhält bereits am wenigsten Unterstützung durch das Bundesland und darf zudem noch am wenigsten hinzuverdienen. Ein Umstand, der immer wieder für Streit und Ärger sorgt und erst kürzlich vor Gericht zu einer Erhöhung der monatlichen Zahlungen von vorher nur rund 900 Euro Brutto sorgte. Andere Bundesländer sind da weitaus großzügiger und erlauben immerhin das Hinzuverdienen in der gleichen Höhe der Sozialleistung, ohne diese zu reduzieren.

Hier muss also genau aufgepasst werden, dass sich das Arbeiten überhaupt lohnt. Dass am Ende des Jahres eine Steuererklärung gemacht werden muss, bei der alle persönlichen Umstände noch einmal hinzugezogen werden können, versteht sich von selbst. Es empfiehlt sich daher, in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber durchzurechnen, welche Stundenzahl sich für beide Seiten rechnet. Auch Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld und Boni müssen übrigens ebenfalls mit einberechnet werden.

 

"Meine Zeit als Referendarin bei der Staatsanwaltschaft"

 

Das Rätsel um die Bezahlung „pro Wochenarbeitstag“

Nun wo schon die Stundenzahl angesprochen wurde, ist es an der Zeit, eines der größten Rätsel vieler angehender Juristen zu lösen. Insbesondere Kanzleien neigen nämlich dazu, keine Gehälter oder Stundenlöhne anzugeben, sondern preisen eine bestimmte Zahlungshöhe pro Wochenarbeitstag an. Eben damit können nur wenige etwas anfangen und errechnen sich so astronomische Gehälter, was wiederum natürlich Enttäuschungen mit sich bringt. So bedeuten zum Beispiel 400 Euro pro Wochenarbeitstag mitnichten, dass ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Vollzeit und bei angenommenen 20 Arbeitstagen im Monat, ein Gehalt in Höhe von 8.000 Euro hätte. Ein Wochenarbeitstag ist stattdessen zum Beispiel der Montag und das über einen Monat lang, also in der Regel viermal dieser Arbeitstag. Es muss dabei nicht unbedingt ein Tag sein, sondern kann natürlich auch einfach nur einen Tag in der Woche bedeuten, allerdings eben in jeder Woche eines Monats. Wird ein Wochenarbeitstag also zum Beispiel mit 400 Euro vergütet, läuft das im Ergebnis auf 100 Euro pro gearbeiteten Tag hinaus.

 

Somit versteht man unter einem Wochenarbeitstag keinen "Arbeitstag", sondern die Anzahl der Tage, die man pro Woche arbeitet. Beispiel: 700 Euro pro Wochenarbeitstag bedeutet: Der Referendar arbeitet 1 Tag pro Woche und bekommt dafür im Monat 700 Euro.

 

So schnell verschwindet damit leider auch der Traum vom großen Geld, doch die Realität sieht eben leider oft nicht so aus, wie es in der Theorie erträumt wird.

 

Die finanzielle Situation von Rechtsreferendaren in Deutschland ist spätestens seit der Abschaffung des Beamtenstatus auf Widerruf nicht einfach. Gerade in teuren Metropolen oder bei längeren Wegen zur Ausbildung wird das Geld schnell knapp und ein Nebenverdienst muss her. Dieser wiederum muss angemeldet und genehmigt werden, was in aller Regel aber kein Problem darstellt. Schließlich muss herausgefunden werden, wie viel ein Rechtsreferendar in dem Bundesland seiner Wahl hinzuverdienen darf. Eine entsprechende Rechnung sollte dann am besten in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber erfolgen, sodass sich die Arbeit für beide Seiten lohnt und die finanziellen Nöte des Rechtsreferendars passé sind.

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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